Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis)

Was versteht man darunter?

Der Tennisellenbogen ist ein Schmerzsyndrom an der Außenseite des Ellenbogens, im Bereich des Knochenvorsprungs an dem die Sehnen der Hand- und Fingerstreckmuskulatur ansetzen. Es handelt sich um die häufigste Sehnenansatzentzündung (Ansatztendinose) des Körpers.

Wie kommt es dazu?

Weniger eine Überlastung beim Tennisspielen als eine chronische mechanische Überbeanspruchung im Beruf (Arbeiten mit Computermaus) oder Alltag (Fensterputzen) führen zu einer Schmerzhaftigkeit im Ansatzbereich der Streckmuskulatur. Daher tritt die Erkrankung auch vornehmlich am Führungsarm auf.

Was sind die typischen Beschwerden?

Die Patienten suchen meist einen Arzt auf, da es beim Ausüben von alltäglichen Tätigkeiten zu zunehmenden Beschwerden mit starken Schmerzen beim Anheben leichter Gegenstände und häufig einer Ausstrahlung bis in die Unterarmmuskulatur kommt. Der äußere Knochenhöcker am Ellenbogen ist deutlich druck- und berührungsempfindlich.

Welche speziellen Abklärungen sind notwendig?

Neben der Inspektion und Untersuchung des Ellenbogens weisen Widerstandstests (z.B. Strecken der Finger und Hand und Innenrotation des Unterarmes) auf einen Tennisellenbogen hin. Die Sehnenansatzentzündung kann teilweise im Ultraschall als Verdickung und Schwellung dargestellt werden. In fortgeschrittenen Stadien können im Röntgen unter Umständen Verkalkungsherde im Sehnenansatzbereich oder kleine Knochenhautunregelmäßigkeiten sowie Knochenausziehungen sichtbar sein.

Wie wird behandelt?

Wichtig ist die frühzeitige konsequente Behandlung, da die Gefahr besteht, dass die Entzündung chronisch wird oder immer wieder auftritt.
Neben der Vermeidung von schmerzauslösenden Belastungen, intensiver Dehnung der Unterarmstreckmuskulatur und Kühlung des Ellenbogens mit Eis ist das Tragen einer sog. Epicondylitis-Bandage oder -Spange sinnvoll um muskuläre Überbelastungen zu vermeiden. Bei ausgeprägten Beschwerden hilft oft eine gezielte Injektion eines gut verträglichen Kortison-Präparates kombiniert mit einem lokalen Betäubungsmittel. Alternativ können homöopathische Wirkstoffe (z.B. Traumeel) zum Einsatz kommen. Diese sind noch sanfter, aber keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Bei Beschwerdespitzen können örtliche antientzündliche Umschläge und die Einnahme von antientzündlichen Medikamenten (z.B. Diclofenac) eine Besserung bewirken.
Ein guter Erfolg ist auch mit der radialen Stoßwelle zu erreichen bei der Druck-Impulse auf den schmerzhaften Sehnenansatzappliziert werden. Es erfolgen 3 Behandlungen in einwöchigen Abständen mit einer Erfolgsrate von ca. 75%.
Wie bei allen schmerzhaften Reizzuständen am Bewegungsapparat kann auch die Akupunktur auf sanfte Art und Weise zu einer Linderung führen.
Weitere Therapiemöglichkeiten sind Krankengymnastik mit Querfriktionen (Dehnungsreize), physikalische Therapie mit Ultraschall, Elektrotherapie und Eisbehandlung.
Bei Versagen der konservativen Therapiemaßnahmen für 6-12 Monate ist die operative Ablösung der Muskulatur am Knochenhöcker (Operation nach Hohmann) und/oder eine Durchtrennung der Nerven, die den Ellenbogen versorgen (Operation nach Wilhelm) möglich. Meist werden die beiden Operationen kombiniert durchgeführt. Wenn Sie es wünschen, können wir Ihnen entsprechende Kollegen, mit denen wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben, nennen. Im Übrigen ist eine Nachbehandlung nach diesen operativen Eingriffen in der Regel in unserer Praxis ohne weiteres möglich.

Wie ist der Verlauf?

Die Beschwerden beim „Golferellenbogen“ sind individuell sehr unterschiedlich und häufig sehr hartnäckig in der Behandlung.
Leider gibt es kein Patent-Rezept, so dass verschieden Behandlungsformen kombiniert werden.
So entsteht bei manchen Patienten das Gefühl, dass „ausprobiert“ wird. Dieses Empfinden ist nicht unbedingt falsch: Was dem einen Patienten hilft, erweist sich beim nächsten als wirkungslos, manchmal sogar verschlimmernd. Umso wichtiger ist eine enge Abstimmung mit dem Arzt. In über 90% der Fälle können die Beschwerden konservativ geheilt werden.

Schlussbemerkung:

Die oben angegeben Ausführungen sollen Ihnen einen Überblick der bei Ihnen gestellten Diagnose und der möglichen Behandlungsmaßnahmen geben. Gerne stehen wir Ihnen bei Rückfragen zur Verfügung und erstellen einen auf Sie individuell abgestimmten Therapieplan.