Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Bandverletzungen Sprunggelenk

Welche Strukturen gehören zum Sprunggelenk und welche Funktion besitzt es?

Das Sprunggelenk unterteilt sich in das obere, bestehend aus Schienbein (Tibia), Wadenbein (Fibula) und Sprungbein (Talus), und untere, bestehend aus Sprungbein und Fersenbein (Calcaneus). Diese Knochen werden durch mehrere Bänder stabilisiert. Zwischen Schien- und Wadenbein ist das die vordere und hintere Syndesmose. Im Bereich der Sprunggelenke findet die Stabilisierung durch den Kapselapparat, aber auch durch die Innen- (Deltaband) und Außenbänder (Lig. calcaneofibulare, Ligg. talofibulare anterior und posterior) statt.

Das obere Sprunggelenk hebt und senkt den Fuß, das untere Sprunggelenk dreht den Fuß ein- und auswärts.

Welche Bandverletzungen können am Sprunggelenk auftreten?

Bandverletzungen des Sprunggelenkes sind mit 15-25% die häufigste Verletzung des Bandapparates des menschlichen Körpers. Man unterscheidet den akuten Unfall mit Verletzung der Bänder von der chronischen Instabilität, die nicht nur funktionelle Einschränkungen hervorruft, sondern auch bei Nichtbehandlung zu Spätschäden wie Arthrose im Sprunggelenk führt.

Das Umknicken im Sprunggelenk erfolgt in über 95% der Fälle in einer Auswärtsdrehung des Fußes mit Verletzung des äußeren Kapselbandapparates, v.a. der vorderen zwei Außenbänder (Lig. talofibulare anterior, Lig. calcaneofibulare). Nur in seltenen Fällen kommt es zu einem einknicken nach innen mit Verletzung des Deltabandes.

Bei den Bandverletzungen kann es sich sowohl um eine Überdehnung, einen Anriss oder einen kompletten Riss handeln.

Welche Beschwerden treten auf?

Unmittelbar nach dem Unfall ist der Knöchel meist angeschwollen und das Bewegen im Sprunggelenk stark schmerzhaft. Eine Instabilität ist aufgrund der Schwellung anfangs selten festzustellen. Im Verlauf bildet sich häufig im Bereich des Sprunggelenkes ein Bluterguss.

Bei der chronischen Bandinstabilität sind dem Patienten die Beschwerden bekannt. Er kippt im Sprunggelenk öfters um, fühlt sich unsicher in unebenem Gelände und kann sich auf einen festen Stand im Sprunggelenk nicht verlassen. Oft ist anfänglich ein heftigeres Trauma unter Umständen vor Jahren vorausgegangen und wiederholt sich nun bei banaleren Situationen.

Wie stellt man die Bänderverletzung fest?

Gerade bei einer starken Schwellung des Sprunggelenkes lässt die Untersuchung nicht immer einen eindeutigen Hinweis zu. Eine Röntgenverletzung schließt eine knöcherne Beteiligung (Bruch, knöcherner Bandausriss) aus. Die sogenannte „gehaltenen Aufnahme“ wird heutzutage aufgrund der starken Schmerzbelastung des Patienten immer seltener angewandt uund wird bei klinischem Verdacht auf einen Bänderriss mittlerweile durch die Magnetresonanztomographie (MRT) abgelöst. In der MRT lassen sich außerdem weitere Verletzungen des Knorpels, Knochen und Syndesmose ausschließen.

Wie behandelt man eine Bänderverletzung?

Die Akutbehandlung erfolgt durch Hochlagerung, Bandagierung und Kälteanwendung. Bei Überdehnungen reicht meist eine kurzfristige Ruhigstellung mittels Zinkleimverband für drei bis vier Tage sowie eine Sportpause für zwei bis drei Wochen aus. Der Außenbandriss wird heute fast ausnahmslos konservativ behandelt. Bei der konservativen Therapie, die meist schneller zum Erfolg führt, wird der Fuß mittels Zinkleimverband und Schiene für insgesamt sechs Wochen ruhig gestellt.

Ein operativer Eingriff erfolgt nur bei einer kompletten Zerreissung des äußeren Kapsel-Band-Apparates sowie bei chronisch instabilen Sprunggelenken.

Welche Begleitschädigungen können bei einer Bandverletzung auftreten?

Häufig werden bei Verrenkungen des Sprunggelenkes weitere Verletzungen aufgrund der Fokussierung auf die Bandverletzung übersehen.

So kann es bei einem Umknicken zu einem Herausspringen der Sehnen am Außenknöchel (Peronealsehnenluxation) führen. Der Patient fühlt dann ein Schnappen am Außenknöchel beim Gehen und bemerkt einen Kraftverlust und somit eine schmerzhafte Funktionseinschränkung im Sprunggelenk.

Weiterhin kann es zu einer Knorpel-Knochen-Stauchung im Bereich des Schienbein- oder Sprungbein-Knochens kommen, die im Verlauf zu einem Knorpelschaden führen kann.

Die sogenannte Syndesmosenverletzung, der bandhaften Verbindung zwischen Schien- und Wadenbein kann zu einer Instabilität und so auf Dauer zu einer Arthrose des oberen Sprunggelenkes führen.