Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Fersenschmerz (Plantarfasziitis) und Fersensporn

Was versteht man darunter?

Bei der Pantarfasziitis handelt es sich um eine meist chronische (länger als 6 Wochen bestehende) entzündliche Veränderung im Bereich der Plantarfaszie, einem bindegewebsartigem Strang, der sich von der Innenseite der Ferse an der Fußsohle bis zu den Mittelfußköpfchen zieht und durch seine Spannung das Längsgewölbe des Fußes bildet. Diese Entzündung ist meist am Fersenbein lokalisiert.

Gelegentlich sind diese Beschwerden mit einem plantaren (fußsohlenseitigen) Fersensporn, einem dornartigen Knochenauswuchs, verbunden. Neben dem plantaren gibt es auch noch einen hinteren Fersensporn am Achillessehnenansatz. Der Sporn ist nur einige Millimeter groß. Er tritt bei ca. 10 % der Bevölkerung auf, führt aber meist zu keinen Beschwerden.

Wie kommt es dazu?

Ursächlich für eine Entzündung im Fersenbereich ist meist eine Veränderung des Mittelfußes mit Abflachung des Längsgewölbes im Sinne eines Senk- oder Plattfußes. Dadurch kommt es zu einer Überlastung der Plantarfaszie durch vermehrte Zugwirkung aber auch durch direkte Druckbelastung. Weiterhin können Beschwerden durch Prellungen der Ferse, Übergewicht, Fehlbelastung (z.B. ein hinkendes Gangbild) oder aber auch durch einen Fersensporn hervorgerufen werden. Jedoch hat man in Studien festgestellt, dass der Fersensporn eine Größe von mehr als 10mm aufweisen muss um eine mechanische Reizung auszulösen. Meistens sind mehrere Ursachen gleichzeitig für die Beschwerden verantwortlich.

Was sind die typischen Beschwerden?

Die Patienten klagen meist über einen morgendlichen Anlaufschmerz oder Schmerzen nach längerem Sitzen oder Ruhen. Nach längerer Belastung der Ferse treten erneut Beschwerden auf. Gelegentlich wird auch ein nächtlicher Ruheschmerz angegeben. Durch ein Entlastungshinken kann es auch zu vermehrten Beschwerden im Bereich anderer Gelenke (z.B. Knie) oder der Wirbelsäule kommen.

Welche speziellen Abklärungen sind notwendig?

Im Mittelpunkt der ärztlichen Befragung stehen die typischen Beschwerden. Bei der Untersuchung zeigt sich meist am barfüßigen Patienten ein Druckschmerz im Bereich der Fußsohle an der Innenseite des Fersenbeines. Meist ist ein vermehrter Senk- oder Plattfuß zu erkennen. Mittels Röntgen oder Kernspin lassen sich ein Fersensporn oder eine Entzündung der Plantarfaszie darstellen. Die entzündliche Schwellung im Bereich der Ferse kann auch mittels Ultraschall diagnostiziert werden.

Wie wird behandelt?

Ziel der Erstbehandlung ist es, o.g. Ursachen wie Fußfehlform, Überbelastung, Übergewicht etc. zu beheben. So versucht man die Fußfehlstellung mittels korrigierender Einlagen mit Innenranderhöhung zur Aufrichtung des Längsgewölbes und einer Weichbettung der Ferse zu therapieren. Von einer Locheinlage raten wir allgemein eher ab, da meistens der Fersensporn für die Beschwerden nicht ursächlich verantwortlich ist und der Rand der Aussparung eher zu vermehrtem Druck im entzündlichen Gewebe führt. Weiterhin sollte der Patient größere Belastungen vermeiden und bei Adipositas das Körpergewicht langfristig reduzieren. Die Entzündung sollte mit täglichem Kühlen mit Eisbeuteln und der Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmedikamenten (z.B. Diclofenac) für ca. 7 Tage behandelt werden.

Sollten die Beschwerden über 4-6 Wochen zu keiner Besserung führen besteht die Möglichkeit  einer Spritze mit einer Mischung aus einem lokalen Betäubungsmittel und Kortison. Diese wird insgesamt dreimal in zweiwöchigen Abständen wiederholt. Eine weitere Alternative ist die Stoßwellentherapie, die wir erfahrungsgemäß der Kortisoninfiltration vorziehen. Dabei wird dreimalig in einwöchigen Abständen das entzündliche Areal im Bereich der Ferse mit 3000 Impulsen, die sich ähnlich den Schlägen eines Presslufthammers anfühlen, behandelt. Der Erfolg bei dieser Therapie liegt mit 75-80% deutlich höher als bei den Kortisoninfiltrationen und hat keine größeren Nebenwirkungen. Wichtig ist es zu betonen, dass bei der Stoßwellentherapie ein Fersensporn nicht zertrümmert wird.

Lediglich in seltenen, nicht erfolgreich behandelten Fersenschmerzen ist eine operative Therapie eine Option. Generell ist wegen der Gefahr von Narbenbeschwerden eher davon abzuraten. Bei der Operation wird ähnlich wie am Golfer- oder Tennisellenbogen der Ursprung der Plantarfaszie eingekerbt und damit die Spannung des Bindegewebsstranges reduziert. Falls ein Fersensporn operativ zu finden ist wird dieser sicherheitshalber mit entfernt.

Schlussbemerkung:

Die oben angegeben Ausführungen sollen Ihnen einen Überblick der bei Ihnen gestellten Diagnose und der möglichen Behandlungsmaßnahmen geben. Gerne stehen wir Ihnen bei Rückfragen zur Verfügung und erstellen einen auf Sie individuell abgestimmten Therapieplan.