Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Fibromyalgie

Was ist Fibromyalgie?

Das Wort Fibromyalgiesyndrom kommt von fibra (lat. für Faser), mys (griech. für Maus) bzw muskulus (lat. für Mäuschen oder Muskel) und algos (griech. für Schmerz), wörtlich übersetzt also Faser-Muskel-Schmerz. Der Begriff beschreibt den Schmerz, der häufig am Muskel-Sehnen-Übergang auftritt. Der zusätzliche Anhang “Syndrom” stammt aus dem Griechischen und bedeutet “Zusammenkommen”. Gemeint ist ein Zusammentreffen bestimmter Krankheitszeichen (Symptome).

Das Fibromyalgiesyndrom ist ein vielfältiges Krankheitsbild mit verschiedenen Ursachen, die in vielen Fällen nicht klar ausgemacht werden können. Stress, unverarbeitete seelische Konflikte, körperliche Über- oder Fehlbelastung, Lebenskrisen, Belastung am Arbeitsplatz sind nur einige Stichwörter. Ein alleiniger Auslöser, der die Schmerzerkrankung in Gang bringt, konnte bisher nicht gefunden werden.

Ein wichtiger Therapiebaustein ist deshalb, selbst aktiv zu werden, herauszufinden was dem eigenen Körper und der Seele gut tut und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt den eigenen Weg zu finden.

Kennzeichen der Fibromyalgie

  • Ständige Schmerzen
  • Schmerzen in allen Teilen des Körpers vom Kopf bis zu den Füßen
  • Auftreten von Müdigkeit und schneller Erschöpfung
  • Wenig erholsamer Nachtschlaf
  • Folge: Angst, schlechte Stimmung, depressive Gedanken

 

Sich selbst spüren

Das Fibromyalgiesyndrom ist keine bösartige Erkrankung, auf lange Sicht bleiben die Gelenke beweglich und die Mobilität erhalten. Es kann helfen, sich in aller Ruhe die Ihnen in den Sinn kommenden Faktoren aufzulisten, die in der Vergangenheit die Schmerzen verstäkten, ebenso die Faktoren, die die Schmerzen besserten. Langfristiges Ziel muss nun sein, die negativen und krank machenden Faktoren abzubauen und die gesundheitsfördernden auszubauen. Mögliche hilfreiche Fragen sind hier:

  • Was stört mich? Was quält mich? Was hindert mich an meiner Weiterentwicklung?
  • Was sind meine Wünsche und Ziele?
  • Was wollte ich schon immer mal machen?

 

Stichwort Stress

Wer kennt nicht Stress in den verschiedensten Lebenslagen? Manche kommen gut damit klar, andere leiden erheblich. Stress kann nützlich, manchmal sogar lebensnotwendig, aber auch krankmachend oder sogar lebensbedrohlich sein. Zur besseren Differenzierung wurden die Begriffe Eustress und Disstress gebildet:

Eustress – der positive Stress meint die positive Variante: Leistungsantrieb, der uns beflügelt, der weitere geistige und körperliche Reserven erschließt, z.B. bei einem Tennisturnier.

Distress – der negative Stress hetzt und bedrückt uns, verdrängt gesundes Erholungsbedürfnis, hat in quälendem Lärm und nicht einhaltbaren terminen seinen Anteil und ist in der Regel häufig vorhanden oder sogar chronisch. Distress ist ein krank machender Faktor, nicht nur bei Fibromyalgie. Doch wir sind ihm nicht hilflos ausgeliefert.

Maßnahmen zur Stressbekämpfung und Stressreduzierung

  • Bewusstwerden von Lebensführung und Lebensziel
  • Suche nach Harmonie zwischen Leistung und Gesundheit
  • Klärung des persönlichen Verhältnisses zu Religion, Kultur und Natur
  • Suche nach Entspannung einerseits durch Ruhe, andererseits durch Kommunikation
  • Entwicklung persönlicher Lebensfreuden
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Zutrauen zum eigenen Körper durch sportliche Betätigung

 

Entspannung

Für Fibromyalgie-Betroffene ist es sinnvoll, eine Entspannungsmethode zu erlernen. Mit den Entspannungstechniken übt man etwas sehr Wichtiges, die Hinwendung zu sich selbst und das Einfühlen in den eigenen Körper.

Eine der wirksamsten Methoden ist Autogenes Training. Mit dieser Methode kann jeder Mensch erlernen, sich besser zu entspannen. Man versetzt sich in seiner Vorstellung in das Organ, das beeinflusst werden soll. Die Autosuggestion (Selbstbeeinflussung) muss ohne Willensanstrengung erfolgen. Am besten erlernen Sie es in einem Kurs unter fachkundiger Anleitung (z.B. Volkshochschule, Gesundheitszentrum).

Natürlich gibt es noch andere wirksame Entspannungsverfahren. z.B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Es lohnt sich immer, noch ein anderes Verfahren zu probieren, wenn man mit einer Methode keinen Erfolg hatte.

Bewegung

Die meisten Fibromyalgie-Betroffenen geben an, dass sich ihre Beschwerden bei Bewegung im Gegensatz zu längerem Stehen, Sitzen und Liegen bessern. Andererseits fühlen sie sich bei der Krankengymnastik oft überfordert und berichten z.T. von einer Zunahme der Schmerzen. Das Hauptproblem zu Beginn einer Krankengymnastik oder Bewegungstherapie sind Schmerzen, die von untrainierter oder verspannter Muskulatur ausgehen. Deshalb muss jede Gymnastik sehr langsam, vorsichtig und individuell angegangen werden. Machen Sie die Hälfte von dem, was Sie sich zutrauen.

Außerdem soll die Therapie gezielt an der Symptomatik ansetzen: Eine verkürzte Muskulatur muss durch Dehnungsübungen verlängert, unterentwickelte Muskulatur gekräftigt werden und bei Bewegungseinschränkungen ist eine Mobilisierung erforderlich.

Sinnvolle Bewegungs- und Sportmöglichkeiten bei Fibromyalgie

  • Bewegungstherapie mit Dehnübungen
  • Funktionstraining
  • Rückenschule
  • Medizinische Trainingstherapie
  • Wassergymnastik, Aquajogging
  • Schwimmen
  • Spazierengen, Wandern
  • Walking, Nordic Walking, (evtl.) Joggen
  • Fahrradfahren
  • Tanzen
  • Feldenkrais
  • Qigong, Shiatsu

 

Nein-Sagen

Das Wörtchen Nein stellt für viele Fibromyalgie-Betroffene eine schwierige Aufgabe dar, egal ob im Umgang mit Familie, Freunden oder Beruf. Viele kommen sich als Verweigerer oder unfreundliche Menschen vor, wenn sie auf unberechtigte, aber auch berechtigte Wünsche und Forderungen mit einer Absage reagieren. Eigentlich ist es ja nur eine ehrliche Antwort. Vielen Menschen kommt es problemlos über die Lippen, andere haben ein schlechtes Gewissen und das Gefühl ihre Mitmenschen nicht zu unterstützen. Es ist die Sorge, jemanden zu enttäuschen und zu verärgern und in der Folge vielleicht dauerhaft abgelehnt zu werden.

Das erste Nein fällt immer am schwersten. Ihre Mitmenschen werden erstaunt sein, hatten Sie doch immer klaglos allem zugestimmt. Sie werden sich aber schnell daran gewöhnen, dass Sie nicht mehr wie früher jederzeit Wünsche und Forderungen erfüllen.

Hilfreich kann sein, sich vor der Antwort Bedenkzeit zu nehmen: Sie haben so Zeit, ein unüberlegtes Ja abzuwägen, zum anderen stellt sich Ihr Gegenüber darauf ein, dass die Antwort Ja oder Nein lauten kann.

(aus Patientinfo: Fibromyalgie-was Sie selbst tun können. zkm 2013; 1:69-70)