Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)

Was versteht man unter dem M. Bechterew und welche Teile des Körpers werden befallen?

Es handelt sich dabei um eine chronische Erkrankung, die in den Formenkreis der entzündlich-rheumatischen Krankheiten zählt. Sie beginnt mit einer Entzündung der Wirbelgelenke (lat. Spondylitits), die im Verlauf zu einer knöchernen Versteifung (lat. ankylosans) führt. Die Erkrankung betrifft meist die Wirbelsäule (v.a. Brustwirbelsäule), kann aber auch Gelenke, v.a. die Kreuz-Darmbeingelenke (Iliosakralgelenke) betreffen. Außerdem kann es auch zu Entzündungen der Regenbogenhaut des Auges und selten auch anderer Organe kommen.

Was ist die Ursache für den M. Bechterew?

Die Ursache ist nicht vollständig bekannt. Man vermutet eine Autoimmunreaktion gegen den eigenen Körper, bei der Entzündungen den Knorpel, vor allem der Wirbelgelenke aber auch Kreuz-Darmbeingelenke zerstören. Es kommt zu einer Verknöcherung, wodurch das Gelenk versteift.

Über welche Beschwerden klagen die Erkrankten?

Die Erkrankung wird meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr diagnostiziert. Die ersten Symptome äußern sich in stumpfem Schmerz in der Lenden- und Gesäßregion, meist mit morgendlicher Steifheit. Im Verlauf klagen Patienten mit einer Spondylitis ankylosans über eine zunehmende Bewegungseinschränkung und Deformation der Wirbelsäule.  Außerdem kommt es zu schmerzhaften Entzündungen der Sehnenansätze, besonders der Achillessehne, des Sehnenstranges an der Fußsohle und an anderen Sehnenansätzen an Becken und Oberschenkel.

In der Wirbelsäule kommt es zur Bildung von Knochenspangen, die benachbarte Wirbel überbrücken. Dies führt speziell in der Brustwirbelsäule zur Bildung der so genannten Bambuswirbel, da sie mit der Überknöcherung der Bandscheiben einer Bambusstange ähneln. Typisch ist häufig nach langem Krankheitsverlauf eine nach vorn übergebeugte Körperhaltung mit gekrümmter Wirbelsäule, unter Umständen auch mit einem Buckel.

In schwerwiegendsten Fällen kann es auch durch den porösen Knochen zu Knochenbrüchen im Bereich des Beckens und der Wirbelsäule führen.

Wie erkenne ich die Erkrankung des M. Bechterew?

Der Zeitraum bis zur Diagnose beträgt im Durchschnitt fünf bis sieben Jahre, in einigen Fällen jedoch bis zu 15 Jahre. Die ersten Zeichen einer Spondylitis ankylosans zeigt sich im Röntgenbild des Kreuz-Darmbeingelenkes. Dabei zeigt sich eine vermehrte Verdichtung des Gelenkes durch degenerative Veränderungen.

Weiterhin können in der Blutabnahme erhöhte Entzündungswerte, aber vor allem der Wert HLA-B27 Hinweis darauf geben, dass eine Erkrankung vorliegt. Der Rheumafaktor ist negativ.

In der klinischen Untersuchung geben Messungen der eingeschränkten Beweglichkeit der Wirbelsäule Hinweise auf die Erkrankung.

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Das wichtigste Ziel ist es, die Beweglichkeit des Körpers ausreichend zu erhalten. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Bewegung mit Krankengymnastik, Dehnungsübungen und Kräftigung der Muskulatur an Geräten empfehlenswert.

Medikamentös werden gegen die Schmerzen antientzündliche Präparate wie Diclofenac oder Ibuprofen empfohlen. Zur Hemmung der Entzündungsprozesse gibt es neuartige Medikamente (TNF-a-Blocker), die aber noch keine langfristigen Ergebnisse vorweisen können und sehr teuer sind.

Wie ist die Prognose des Morbus Bechterew?

Der Krankheitsverlauf ist häufig schubweise und variiert zwischen verschiedenen Patienten. Bei Frauen verläuft die Spondylitis ankylosans häufig milder, eine Versteifung der Wirbelsäule tritt hier seltener auf.

Der Einfluss der Spondylitis ankylosans auf die Lebenserwartung ist umstritten. Todesfälle im direkten Zusammenhang mit der Spondylitis ankylosans sind selten.