Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Chronische Polyarthritis (Rheuma)

Was versteht man unter Rheuma und was ist dabei die chronische Polyarthritis?

Rheuma ist der Überbegriff von mehr als 100 verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Was man im Allgemeinjargon unter Rheuma versteht ist meist die sogenannte chronische Polyarthritis.

Dabei handelt es sich um die häufigste rheumatische Erkrankung mit ca. 800.000 Betroffenen in Deutschland. Frauen erkranken dreimal so häufig wie Männer. Das häufigste Auftreten ist bei älteren Patienten zwischen 55 und 75 Jahren. Gelegentlich sind aber auch Kinder betroffen (juvenile idiopathische Arthritis).

Die chronische Polyarthritis (poly=viel, arthritis=Gelenksentzündung) ist nach der aktivierten Arthrose die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Typisch ist ein Befall mehrerer Gelenke, beginnend an den Finger- und Zehengelenken aber auch andere Gelenke an Händen, Füßen, Knie, Hüfte oder Schulter.

Warum kommt es zu dieser Erkrankung?

Die Ursache für die chronische Polyarthritis ist nicht ganz geklärt. Man vermutet aber, ähnlich wie beim Morbus Bechterew, eine körpereigene Reaktion des Immunsystems gegen die eigenen Gelenke. Die chronisch entzündete Gelenkinnenhaut (Synovialis) führt auf Dauer zu einer Zerstörung des Gelenkknorpels und des benachbarten Knochens.

Über welche Beschwerden klagen die Erkrankten?

Der Krankheitsbeginn ist oft schleichend, kann aber auch plötzlich eintreten. Typischerweise betroffen sind die kleinen Finger- und Zehengelenke. Neben Schmerzen schwellen die Gelenke meistens auch an, sind eingesteift, überwärmt und gerötet. Im Gegensatz zu verschleißbedingten Gelenkerkrankungen, sogenannten Arthrosen, ist der Entzündungsschmerz in den Gelenken typischerweise in Ruhe und bessert sich bei Bewegung. Morgens sind diese Symptome am stärksten ausgeprägt. Man spricht dabei von der typischen Morgensteifigkeit. Bei starken Entzündungen kommt es auch zu nächtlichen Gelenkschmerzen, von denen man aufwacht.

Im Krankheitsverlauf werden immer mehr Gelenke befallen. Neben den Finger- und Zehengelenken sind bevorzugt die Hand- und Fußwurzelknochen, aber auch Hand-, Knie-, Schulter-, Hüft- und Sprunggelenke betroffen.

Meist verläuft die Krankheit schubweise, ein Schub dauert typischerweise zwischen einigen Wochen und Monaten an. Zwischen den einzelnen Schüben lassen die Beschwerden nach.

Wie stellt man Rheuma fest?

Für das Erkennen der chronischen Polyarthritis sind meist spezialisierte Rheumatologen zuständig. Die Diagnostik erfolgt durch Blutabnahme, Untersuchung und Röntgenbilder.

Im Blut lassen sich meist sogenannte Rheumafaktoren, eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und erhöhte Entzündungswerte (C-reaktives Protein) nachweisen. In neueren Testverfahren gewinnt die Bestimmung von bestimmten Antikörpern (ACPAs) an Bedeutung.

In der sogenannten EULAR-Klassifikation werden Punkte für Kriterien wie Art und Zahl der betroffenen Gelenke,  bestimmte Blutwerte und die Dauer der Gelenksentzündung vergeben und anhand der Punktzahl entschieden, ob es sich dabei um die Erkrankung handelt.

Mittels Röntgen und Kernspin wird ersichtlich, wie weit die Schädigung von Gelenken und Knochen vorangeschritten ist. Eine Weichteil- oder Knochenszintigraphie kann Aufschluss über das Verteilungsmuster der Entzündungsaktivität geben.

Wie erfolgt die Therapie der chronischen Polyarthritis?

Die Behandlung der chronischen Polyarthritis ist abhängig vom Stadium der Erkrankung, von der Schwere der Erkrankung, von der Krankheitsaktivität und von den im Augenblick im Vordergrund stehenden Problemen.

Wichtige Eckpfeiler der Therapie sind Medikamente, Krankengymnastik, sonstige physikalische Therapiemaßnahmen (physikalische Therapie) wie Kältepackungen, manchmal auch Wärmepackungen, Unterwasser-Bewegungsbad, Ergotherapie, psychologische Schmerzbewältigung, manchmal auch Operationen, dazu Patientenschulung und gegebenenfalls eine flankierende psychologische Stützung und Begleitung. Die optimale Therapie eines Patienten mit chronischer Polyarthritis erfolgt in rheumatologisch spezialisierten Einrichtungen wie rheumatologischen Schwerpunktpraxen und Rheumafachkliniken, am besten im Organisationsverbund sogenannter regionaler Rheumazentren.

Medikamentös wird die Therapie in vier Hauptgruppen unterschieden: Schmerzmittel, antientzündliche Medikamente (z.B. Diclofenac, Ibuprofen), Cortison und sogenannte Basistherapeutika (Methotrexat, TNF-a-Blocker).

Bei schwersten Gelenkveränderungen, die im Laufe einer chronischen Polyarthritis entstehen können, sind auch operative Eingriffe notwendig: Arthroskopische oder offene Entfernungen von entzündeter Gelenkinnenhaut, Entfernung und Versteifung von Gelenken, Gelenksprothesen oder operative Bestrahlung von Gelenken.