Dr. med. Willibald Wittmann & Dr. med. Mark Henne – Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin

Der Gleitwirbel (Spondylolisthese)

Was versteht man unter einem Gleitwirbel?

Gleitwirbel ist die Bezeichnung für eine Instabilität der Wirbelsäule, bei welcher der obere Anteil der Wirbelsäule zusammen mit dem Gleitwirbel über den darunter liegenden Wirbelkörper nach vorne gleitet. Der Gleitwirbel tritt fast ausschließlich im Bereich der Lendenwirbelsäule auf und dort meist zwischen dem 4. und dem 5. Lendenwirbelkörper sowie 5. Lendenwirbelkörper und dem Kreuzbein.

Wie kommt es zu einem Gleitwirbel?

Ursächlich für den Gleitwirbel ist eine knöcherne Unterbrechung des Wirbelbogens (Interartikularportion), die zu einer Instabilität führt. Man unterscheidet generell zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Gleitwirbel. Ersterer ist eher selten und meist durch eine Fehlentwicklung oder Erbgut entstanden. Häufiger ist der erworbene Gleitwirbel. Dieser tritt bei jungen Sportlern (z.B. Turnern, Speerwerfern, Hochspringern) häufig traumatisch durch starke Rückneigungsbewegungen auf. Bei älteren Patienten kann sich aufgrund von Verschleißerscheinungen der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) und Zwischenwirbelraum ein Abgleiten ohne Instabilität entwickeln. Aus diesem Grund spricht man von einer Pseudospondylolisthese.

Habe ich bei einer Spondylolisthese immer Beschwerden?

Häufig ist der Gleitwirbel ein Zufallsbefund, der mit keinen oder sehr geringen Beschwerden verbunden ist. Zum einen können Schmerzen in Rücken und Beinen dauerhaft oder nur bei bestimmten Bewegungen oder Körperhaltungen auftreten. Dabei klagt der Patient durch den instabileren unteren Wirbelbereich meist über eine Instabilität mit Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke oder Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosacral-Gelenke). Zum anderen kann ein Gleitwirbel durch Überdehnung des Rückenmarkes und der abgehenden Nerven Kribbeln und Taubheitsgefühle, im schlimmsten Fall sogar Lähmungserscheinungen verursachen. Dauerhaft kann die Instabilität des Gleitwirbels zu einer vermehrten Abnutzung der darunter liegenden Bandscheibe (Osteochondrose) führen.

Wie stellt man den Gleitwirbel fest?

Bereits bei der körperlichen Untersuchung kann sich schon ein Verdacht auf einen Gleitwirbel zeigen. Die Patienten fallen häufig durch ein stark vermehrtes Hohlkreuz auf. Oft sieht man bei stark verschobenen Wirbeln eine Stufenbildung unter der Haut. Die Verdachtsdiagnose erhärtet sich mittels bildgebender Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Hierbei kann man den Versatz des Gleitwirbels in Vierteln der Wirbelkörpertiefe in vier Schweregrade einteilen. In der MRT lassen sich zusätzlich Begleiterkrankungen der Bandscheibe beurteilen.

Was kann man therapeutisch machen?

Die Behandlung eines Gleitwirbels hängt von Faktoren wie Alter, Symptomen, Schweregrad und individuellem Leidensdruck ab. Primäres Ziel sollte eine Stabilisierung der Rumpfmuskulatur und eine Korrektur des vermehrten Hohlkreuzes sein. Dies kann anfänglich und in akuten Fällen durch Krankengymnastik (an Geräten), später durch eigenständige sportliche Kräftigung erzielt werden.

Sollte die konservative Therapie nicht ausreichend sein bzw. der Schweregrad und die Beschwerdesymptomatik zu hoch, muss über einen operativen Eingriff nachgedacht werden. Dabei wird meist eine Stabilisierung des Gleitwirbels mittels Versteifung der benachbarten Wirbel durchgeführt.